Dame in weiß gestreiftem Kleid
Die Dame im weiß gestreiften Tüllkleid hält ihre Arme vor dem Körper verschränkt, eine Pose, die das Malen der Hände erübrigte, die Malzeit verkürzte und dadurch den Preis der Miniatur senkte. Isabey gestaltete diese etwas steife Haltung aber mit großem Geschick: Er ließ die Ellenbogen der Dame den Bildrand berühren, so daß es wirkt, als stütze die Dame ihre Arme auf der Medaillonfassung wie auf einer Fensterlaibung ab und blicke den Betrachter durch ein Rundfenster
hindurch an.
Isabey war in der Mitte der 1790er Jahre in Paris ein gefeierter Miniaturist; er erntete mit seinen Miniaturen und Zeichnungen im Vergleich zu anderen Miniaturisten mit Abstand das größte Lob der zeitgenössischen Kunstkritik. 1 Obwohl Isabey seine Lehre bei Jacques-Louis David absolviert hatte, wandte er sich danach der Miniaturmalerei zu. Dies sollte sich für seine spätere Karriere als geschickter Zug erweisen. »Es ist besser, in einem kleinen Genre der Beste zu sein, als in einem großen nur mittelmäßig«, soll ihm Mirabeau geraten haben. 2
B.P.
1 Für das Jahr 1796, in dem das vorliegende Damenbildnis vermutlich entstand, vgl. Les rapsodistes au salon 1796, CD, S. 8; Critique du salon 1796, S.7; Les etrivières de Juvénal 1796, S. 21-23; Exposition des tableaux au salon 1796 (Journal de Paris), CD 18/492, S. 996, S. 1007-1008; Observations de Polyscope 1796, CD 18/393, 1062-1064; Observations tirées du Journal général de France 1796 CD 18/495, S. 1115 und 1123.
2 Vgl. Lenormant 1858, S. 383.







