Rechts

Ord.Nr.: 10.403
Kat.Nr.: 2000-38

Auf den Leuchttisch legen

Vermutlich Heinrich, Prinz von Preußen und Gemahlin

um 1760
rechteckig: 9.10 cm x 9.80 cm
gelber Metallrahmen

Dieses ungewöhnlich humorvolle Doppelbildnis zeigt vermutlich Prinz Heinrich (1726-1802), einen Bruder Friedrichs des Großen, mit seiner Gemahlin, Wilhelmina von Hessen-Kassel (1726- 1808), in einer sehr privaten Szene. Sie sitzen auf einem kleinen Canapé, neben dem ein zierliches Tischchen mit einem Kaffee- oder Schokoladenservice steht. Beide sitzen eng beieinander, er hat den rechten Arm und das linke Bein um sie gelegt, ihre linken Hände liegen ineinander, in der Rechten hält die Dame eine Tasse.

Der vierzehn Jahre jüngere Heinrich litt zeit seines Lebens unter der Bevormundung durch seinen Bruder Friedrich, der beim Tod von König Friedrich Wilhelm I., dem "Soldatenkönig", 1740 dessen Vaterrolle einnahm. Im zweiten Schlesischen Krieg machte Friedrich den Bruder zu seinem General-adjutanten. Heinrich übernahm diese Aufgabe mit großem Erfolg und erhielt 1744 das Sommerschloß Rheinsberg zum Geschenk. Dennoch blieb das Ver-hältnis beider Brüder zueinander sehr gespannt. 1752 heiratete Heinrich Wilhelmina von Hessen-Kassel, deren geistvolle Persönlichkeit und liebenswürdiges Wesen am Hof bald sehr geschätzt wurden. Heinrichs Beziehung zu ihr blieb jedoch kühl, und schon kurze Zeit darauf war bekannt, daß er eine Liaison mit einer Gräfin Bentinck unterhielt. Vor diesem Hintergrund erhält die Darstellung in der Miniatur eine besondere Pointe. Ob es sich bei der Dame tatsächlich um die Gemahlin Prinz Heinrichs handelt, läßt sich nicht mit Sicherheit sagen.

Die Malweise des Künstlers ist typisch deutsch: Fast ausschließlich in kleinen Pünktchen gesetzt, läßt sie zwar feinste Schattierungen hervortreten, entbehrt aber der Spontaneität: Es gibt keine zügigen Linien, keine virtuosen Pinselstriche, die aus Farbklecksen Lichtreflexe machen - alles ist akkurat und ein wenig brav abgezeichnet. Den besonderen Reiz dieser Darstellung macht daher deren Intimität aus.