Rechts

Ord.Nr.: 11.130
Kat.Nr.: 2008-68

Auf den Leuchttisch legen

Dame an Frisiertisch

um 1760
rechteckig: 5.00 cm x 6.70 cm
späterer vergoldeter Metallrahmen

Eine unbekannte Dame ließ sich um 1760 von dem Augsburger Miniaturisten Johann Esaias Nilson porträtieren. 1 Sie wählte eine Pose, die sie auf einem Fauteuil vor einer Frisierkommode sitzend zeigt. Passend zu den blauen Schleifen an Kleid, Perücke und Hals trägt sie blaue Ohrgehänge. Das eine hat sie allerdings noch nicht angesteckt, sondern hält es in ihrer rechten Hand. Ganz offensichtlich will sie den Betrachter auf diesen Schmuck aufmerksam machen, wie der Blick der Dame und die Geste ihrer linken Hand verraten. Die Bedeutung erschließt sich dem nicht eingeweihten Betrachter indessen nicht ohne weiteres. Da die Dame sich in der Intimsphäre ihres Boudoirs darstellen ließ, war die Miniatur vermutlich für ihren Geliebten bestimmt, und die Deutung ist im weiten Bereich der Liebessymbolik zu suchen. Denkbar wäre, dass der immer aus zwei zusammengehörenden Stücken bestehende Ohrschmuck auf das glück­liche Paar hinweist.
Während der Vordergrund ein Boudoir darstellen könnte, ist der Hintergrund eher unpassend hinzugefügt. Die beiden steinernen Pilaster gehören vielmehr in ein repräsentatives Ambiente und deuten eine Raumhöhe an, die der eines privaten Gemachs kaum entspricht.

B.P.


1 Die Zuschreibung beruht auf Vergleichen mit bezeichneten Werken. Von Nilson stammt vermutlich auch das unsignierte und stilistisch sehr ähnliche Bildnis des Maximilian-Friedrich von Königsegg-Rottenfels aus der Sammlung des Hauses Habsburg. Vgl. Keil 1999, S. 189, Nr. 408. Eine Studie über den Künstler verfasste Marianne Schuster 1936.