Bernard III. Lens
Herr in blauem Rock und gelber Weste
Der junge Mann in blauem Rock und gelber Weste wurde von Bernard III. Lens porträtiert, der aus einer über mehrere Generationen in England tätigen Künstlerfamilie stammte. 1 Er trägt eine weiß gepuderte Allongeperücke, deren untere Enden mit Knoten zusammengerafft sind, was einerseits ein bequemeres Tragen ermöglichte, anderseits aber auch modischer Schick war. Kopfhaltung und Beleuchtung stimmen mit dem Selbstbildnis des Künstlers überein, das ebenfalls 1724 entstand. 2 Es zeigt den Miniaturisten in Halbfigur und mit einer Miniatur in der Hand. Vor ihm befindet sich sein Malmaterial: Eine unvollendete Miniatur liegt auf einem in der Schräge verstellbaren Malpult, daneben sind Pinsel und eine Palette erkennbar.
Lens ist der erste englische Miniaturmaler, der als Malgrund Elfenbein benutzte. Vorbild war darin die venezianische Künstlerin Rosalba Carriera (s. Kat.-Nr. 2008- 7-14 und S. 2008-14ff.), an deren Werken sich Lens auch stilistisch inspirierte. 3 Die Virtuosität Rosalbas besaß er allerdings nicht, seine Werke wirken oft etwas schematisch und konventionell. In seiner Heimat gehörte er aber zu den beliebtesten Miniaturmalern und zählte die Könige Georg I. und II. zu seinen Kunden.
B. P.
1 Sein Großvater Bernard Lens (ca. 1631-1708) war als Emailmaler tätig, sein Vater Bernard (1659 -1725) als Zeichner und Stecher. Seine Söhne Peter Paul (1714?-1750?) und Andrew Benjamin (ca. 1713 - nach 1779, s. Kat.-Nr. 2008-49) waren ebenfalls Miniaturmaler.
2 Ashmolean Museum, Oxford, Inv.-Nr. 1897.58. Ein 1718 datiertes Selbstbildnis von Lens befindet sich in der Sammlung des Herzogs von Portland, ein weiteres von 1721 in der National Portrait Gallery in London (NPG 1724).
3 Vgl. beispielsweise die beiden Damenbildnisse von Lens in der Sammlung des Fitzwilliam Museum, Cambridge, Inv.-Nr. 3918 und PD.63 -1948.

