Kataloge
Dame als Vestalin
Dieses überwiegend in Grau und Weiß gehaltene Portrait zeigt eine unbekannte junge Dame, die in eine hohe steinerne Feuerschale Holz nachlegt. Ihr Blick ist aufmerksam auf den Betrachter gerichtet, so als ob sie sichergehen möchte, daß dieser ihr Tun auch wirklich bemerkt. Im Hintergrund sieht man Attribute der traditionellen Bildersprache höfischer Portraits: Hinter einer angeschnittenen Säule mit einem wild bewegten Vorhang ist der mit Pilastern und einem Durchgang aufwendig gestaltete Raum angedeutet.
Die Darstellung entspricht einem im Barock häufiger verwendeten Bildtypus, der die Dame als Vestalin darstellt. Antike Motive in der Portraitmalerei waren noch um die Mitte des 18. Jahrhunderts ein übliches Mittel, um innere Werte der Dargestellten zu symbolisieren. Die Vestalinnen des antiken Rom waren jungfräuliche Hüterinnen des ewigen Feuers. So wie jene hütet auch die Dargestellte ein Feuer: Da Miniaturen häufig als Geschenk vergeben wurden, liegt die Vermutung nahe, daß die Allegorie auf die Liebe der Dargestellten zu einem Mann anspielt.
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