Rechts

Ord.Nr.: 10.840
Kat.Nr.: 2000-145

Auf den Leuchttisch legen

Blumenstillleben

spätes 18. Jahrhundert
kreisrund: 5.90 cm x 0.00 cm
Horndose mit Goldmontur

Aus dem einfachen, aus Stroh geflochtenen Bügelkorb quellen die Blumen - Rosen, Mohnblumen, Rittersporn und Ackerwinden - hervor und scheinen sich geradezu befreien zu wollen. Der Maler hat die Blumen hier nicht der ordnenden Hand des Menschen unterworfen, sondern als wild wachsende Geschöpfe wiedergegeben. Damit aber löste er sich aus einer jahrhundertealten Tradition des Blumenstillebens, dessen Anfänge bis ins Mittelalter zurückreichen¹, denn dieses meisterhaft gemalte Miniaturbild stellt die Blumen in ungeahnter Selbständigkeit vor und zeigt die natürliche Schönheit zarter Blüten und unbeschnittenen Wuchses. Die Miniatur entstand in einer Zeit sozialer Umwälzungen und eines sich radikal ändernden Weltbildes, das mit dem Glauben an eine gottgegebene Ordnung der Welt brach.

¹ Die frühesten selbständigen Blumendarstellungen finden sich auf den Rückseiten von Altären des Spätmittelalters, wo sie in sinnvollem Zusammenhang mit den religiösen Szenen auf den Vorderseiten stehen. Die frühbarocken Stilleben der Niederländer zeigen ebensowenig einfach nur Blumen oder Früchte, die schön arrangiert in einer Vase zur Freude des Betrachters gemalt wurden: Sie stellen vielmehr Sinnbilder in bezug auf die Vergänglichkeit unserer Existenz dar. Vgl. z. B. Sybille Ebert-Schifferer, Die Geschichte des Stillebens, München 1998, S. 25ff