Kataloge
Dame in braunem Reitrock
Vor weiter Landschaft mit hohen Bäumen sitzt eine junge Frau an einer Brüstung und scheint gerade eben gelesen zu haben. Vermutlich befindet sie sich auf einer hochgelegenen Terrasse, von wo aus sie die umliegenden Ländereien überblickt.¹ Das Lesen im Freien war gegen Ende des 18. Jahrhunderts deswegen beliebt, weil man auf diese Weise das Gefühl steigern konnte, durch das Lesen dem täglichen Leben entrückt zu sein, und weil man die Gedanken ganz dem Buch widmen konnte. Dies verlieh dem Lesenden im direkten und übertragenen Sinn eine übergeordnete Stellung. 2
Auffällig ist die verschiedenartige Behandlung des Lichts im Vorder- bzw. Hintergrund: Während die Landschaft weich und duftig in diffusem Licht dargestellt ist, benutzte der Künstler im Vordergrund ein hartes, seitlich einfallendes Licht, wodurch er Gesicht und Kleidung gut modellieren konnte.
¹ Eine Miniatur desselben Typs, aber oval und die Dame ohne Hände dargestellt, wurde verkauft bei Christie's South Kensington, 29. November 2005, Nr. 120.
2 Vgl. dazu: Roger Chartier, Die Praktiken des Schreibens. In: Philippe Ariès/Georges Duby (Hg.), Geschichte des privaten Lebens, Frankurt a. M. 1995, Bd. 3, S. 138f.
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