Kataloge
Dame mit Laute
In unruhigen, fahrigen Pinselstrichen und mit sehr flüssiger Farbe malte der unbekannte Künstler Kleidung, Sessel und Vorhang dieser farbenfrohen Miniatur. Ganz im Gegensatz dazu aber stellte er Gesicht und Hände der adligen Dame mit äußerst fein nuancierten Lasuren und so zarten Schattierungen dar, daß kein Pinselstrich zu sehen ist. Die junge Frau sitzt in einem roten, sehr breiten Sessel, hinter dem links ein dunkelblauer Vorhang herabfällt - ein Relikt aus der frühbarocken Malerei, in der ein Vorhang immer als Hinweis auf die Zugehörigkeit zum Adel und speziell der rote Vorhang als Verweisung auf den Hochadel benutzt wurde. Ob der rote Stoffbezug des Sessels hier noch diese Funktion besitzt - die Miniatur entstand im letzten Viertel des 18. Jahrhunderts - ist fragwürdig.
Die Dame spielt eine Piccololaute. Dieses Instrument gilt bis heute als exklusiv, da es während des Barock und auch später ausschließlich in der höfischen Musik gebraucht wurde, wohingegen die Gitarre sich schon im beginnenden 19. Jahrhundert zu einem populären Instrument bürgerlicher Kreise entwickelte.
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