Kataloge
Herr in beigefarbenem Rock
Nur kurze Zeit später als das abwechselnd Fabre und Soyer zugeschriebene Herrenbildnis in Kat.-Nr. 138 ist dieses Porträt
eines Mannes in beigefarbenem Rock zu datieren, das vermutlich von Louis André Fabre gemalt wurde. Die Pose der beiden Herren ist in beiden Miniaturen identisch, und große Ähnlichkeiten bestehen auch in der Maltechnik: So wurden Gouachefarben für den Hintergrund und die Kleider, Aquarellasuren für das Gesicht verwendet. Wie Soyer, so
höhte auch Fabre jede einzelne Falte der weißen Krawattenschleife akribisch mit Deckweiß und setzte Weißtupfer für besonders hell beleuchtete Partien ausgiebig ins Gesicht.
Häufig ähnelt sich auch der Gesichtstyp in den Werken Fabres und Soyers: strahlende dunkle Augen, stark gewellte Lippen mit seitlichen dunkel schattierten Mundwinkeln, wodurch eine fröhliche Stimmung der Dargestellten suggeriert wird. Im vorliegenden Herrenbildnis gestaltete Fabre jedoch ein individuelleres Porträt. Die Lippen sind weniger stark geschwungen, das Lächeln nur angedeutet und die Augen zeigen auffällig hohe Lider, was dem Herrn eine herablassende
Haltung verleiht. Form und Schattierung von Iris und Augenweiß sind hingegen mit jenen in Miniaturen Soyers beinahe identisch. 1
B.P.
1 Miniaturen von Soyer und dem zwölf Jahre älteren Fabre werden häufig verwechselt, da sie große Ähnlichkeit miteinander aufweisen und beide Künstler ihre Arbeiten fast nie signierten. Von Fabre kennt man nur eine einzige signierte Miniatur, das Bildnis eines Militärangehörigen aus der Revolutionszeit. Sie gehörte früher in die Sammlung Taigny und ist abgebildet im Katalog der Brüsseler Miniaturenausstellung von 1912, Tafel 37, Nr. 174.
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