Rechts

Ord.Nr.: 10.281
Kat.Nr.: 2005-66

Auf den Leuchttisch legen

Erzherzog Josef Anton, Palatin von Ungarn

um 1796
oval: 8.30 cm x 7.00 cm
Goldkapsel

Die der Überlieferung nach als Porträt des letzten römischdeutschen Kaisers Franz II. in die Sammlung Tansey gelangte Miniatur konnte auf Grundlage jüngerer Recherchen als ein Bildnis seines Bruders, des ungarischen Statthalters Josef Anton identifiziert werden. 1 Ein Vergleich mit weiteren Porträts Josef Antons bestätigt diese Annahme. 2
Erzherzog Josef Anton (Florenz 1776-1847 Ofen) wurde 1795 Königlicher Statthalter in Ungarn. 1796 erfolgte seine Wahl durch den ungarischen Reichstag zum Palatin, d.h. zum Stellvertreter des ungarischen Königs. Während seiner Regierungszeit setzte er sich für eine von den Wiener Interessen unabhängigere ungarische Politik ein. Durch seine Förderung der ungarischen Wirtschaft und durch die Gründung des ungarischen Nationalmuseums und der Akademie der Wissenschaften gab er der Entwicklung einer ungarischen Identität wichtige Impulse.
Guérard, der 1808 Hofminiaturist der kaiserlichen Familie wurde, zeigt Josef Anton mit dem Orden vom Goldenen Vlies am Hals sowie mit dem Band und Bruststern zum Großkreuz des königlich-ungarischen St. Stephan-Ordens.
Vor dem dunklen Hintergrund hebt sich besonders das Gesicht ab, das fein und präzise gemalt ist, und das mit seinen blauen Schattierungen kühl und zurückhaltend wirkt. 3

J.S.O.


1 Für den Hinweis zur Uniform des Porträtierten, bei der es sich um diejenige des 2. Husarenregiments »Erzherzog Joseph Anton« handelt, sei einem ungenannt bleiben wollenden Herrn gedankt.

2 Vgl. Keil 1999, S. 109f., Nr. 201-203. Mit dem Miniaturaquarell von Peter Eduard Stroely von 1796 (Nr. 203) stimmen neben den Gesichtszügen auch Uniform und Orden überein.

3 Auffällig ist eine auch auf zwei weiteren Miniaturen wiederkehrende stark abweichende Darstellung des linken und des rechten Auges. Vgl. Kat.-Nr. 2005-63 und 2005-64.