Kataloge
Dame in weißem Kleid
Heiter und natürlich blickt die junge Dame im weißen Chemisenkleid den Betrachter an. Ihre in zahlreichen Locken das Gesicht umrahmende Frisur ist nicht mehr das Werk eines Perückenmachers, sondern das natürliche, ungepuderte braune Haar der Dame. 1 Daß indessen in Modebelangen sogar schlichte Natürlichkeit gerne mit koketten Ideen verknüpft wurde, zeigen hier die lässig ins Gesicht gekämmten Locken und das nur knapp die Brust verhüllende Dekolleté. Die unregelmäßig hochgezogenen Mundwinkel deuten ein schelmisches Lächeln an und lassen erkennen, daß die Dame sich ihres Charmes bewußt ist.
Der Miniaturist Graff besaß ein besonderes Geschick in der Wiedergabe verführerisch wirkender Frauen. Er zeigte sie in einer Vielzahl von Posen und häufig mit herausfordernd gesenkten Lidern. In einem um 1800 entstandenen Miniaturporträt ging der Künstler so weit, die Dame gänzlich entblößt und auf einem Bett kniend abzubilden. 2
B.P.
1 Voluminöse gepuderte Perücken waren für Damen trotz des revolutionsbedingten Wandels der Mode noch bis etwa 1797 beliebt.
2 Das Werk aus der Sammlung Holzscheiter, Meilen, wurde verkauft bei Sotheby' s London, 28.3.1977, Nr. 94, und ist abgebildet bei Berckenhagen 1967, S. 388, Nr. 1538.
|
|
|
|

