Rechts

Ord.Nr.: 10.296
Kat.Nr.: 2005-56

Auf den Leuchttisch legen

Dame in blau gestreiftem Kleid

um 1798
kreisrund: 6.40 cm x 0.00 cm
vergoldeter Metallreif

Marguérite Gérard, Schwägerin des Malers und Kupferstechers Jean Honoré Fragonard, war eine Meisterin der Fixé-sous-verre-Technik. Hierbei wird die Malerei in Ölfarben auf einem feinen Gewebe ausgeführt und luftdicht mit dem bombierten Glas verklebt, was den Farben dieser Miniaturen eine besondere Tiefe verleiht. Dringt jedoch Luft zwischen Glas und Malerei, so entstehen matte Stellen, wie im Falle der vorliegenden Miniatur. Trotz ihres mäßigen Erhaltungszustandes ist die hohe künstlerische Qualität der Malerei Gérards noch gut erkennbar. Vor tiefdunklem Hintergrund hebt sich das Gesicht ausdrucksstark ab, Kontraste von Licht und Schatten betonen die Konturen.
Die Kleidung der Dame ist unkonventionell: Unter dem blauen Kleid trägt sie ein weißes Herrenhemd, 1 über die Schulter hat sie ein helles, am Rand blau abgesetztes Tuch gelegt. Das Haar ist nach der Revolutionsmode lang und offen getragen, die ungeordnet um den Kopf herum und ins Gesicht fallenden Locken sind von einem oberhalb der Stirn befindlichen Band gehalten. Die ein wenig aufgeworfenen Lippen der Porträtierten und die unter tiefliegenden Lidern hervorschauenden großen, dunklen Augen drücken traurig-trotzige Resignation aus.

J.S.O.


1 Die vom Herrenhemd abgeleitete Bluse setzte sich in der Damenmode erst in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts durch.