Kataloge
Dame im Profil
In hellen Grautönen hebt sich vor dunkelblauem Grund die Büste einer jungen Dame ab. Sie trägt ein schlichtes Kleid und - im Kontrast dazu - eine aufwendige Haube aus Tüll mit Verzierungen aus Seidenbändern und einer Rosettenschleife über der Stirn. Passend zu der Perlenkette wählte sie Ohrgehänge aus Tropfenperlen.
Von Hipolite sind aus dem Jahr des Sturms auf die Bastille mehrere Damenbildnisse erhalten. 1 Sie alle sind wie das Werk aus der Sammlung Tansey im Profil nach links vor dunkelblauem Hintergrund gemalt und lassen eine Vorliebe für phantasievolle Kopfbedeckungen und Perlenschmuck erkennen. Während einige Profile als Büsten angelegt sind und unterhalb der Brust enden, werden andere - wie beim vorliegenden Werk - erst durch den Bildrand begrenzt. Gleichbleibend ist die Profilansicht des Kopfes bei gleichzeitiger leichter Schrägstellung des Körpers.
Hipolite war ein Spezialist des monochromen Profilporträts vor dunklem Grund. Hier imitiert er in Trompe-l' oeil-Manier ein Relief, welchen Materials bleibt jedoch offen. Charakteristisch für seine Profilbildnisse ist der reichliche und wirkungsvolle Gebrauch von Deckweiß in Haar und Kleidung. Er steht im Kontrast zum lasierend modellierten Inkarnat, dessen Weiß jenes des Elfenbeinblattes ist. Die äußerst präzise und scharf gezogenen Konturen betonen die zeichnerischen Qualitäten der Darstellung. 2 Sie belegen ein erstaunliches Geschick beim Malen im Kleinstformat, verleihen den
Werken aber auch eine gewisse Strenge.
B.P.
1 Vgl. die Profilbildnisse von Damen im Musée du Louvre und im Musée Dobrée in Nantes sowie in Bedouret 1977, S. 199-202. Bedouret liefert in seinem Artikel einige klärende Informationen zur Frage nach der Identität des unter dem Künstlernamen Hipolite bekannten Miniaturisten.
2 Möglicherweise bediente sich Hipolite beim Zeichnen der Profillinie eines Schattenrisses, den er mit Hilfe eines Pantographen verkleinerte. Diese Technik ist beispielsweise vom gleichzeitig tätigen François Gonord überliefert. Vgl. Sturm 1996, S. 107-108.
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