Kataloge
Dame mit gelbem Schal und gestreiftem Haartuch
Vor einer mit flüchtigen Pinselstrichen grob skizzierten Parklandschaft malte Hénard diese Dame in weißem Kleid und dem für diesen Künstler charakteristischen, mit zwei dunkelroten Streifen gesäumten Schal. 1 In die Lockenfrisur ist ein weinrotes Tuch eingebunden, das mit seinen blauen Streifen das Dekor des Schales aufnimmt. Ungewöhnlich ist die Sitzposition, in der Hénard sein Modell malte: Der Körper der Dame ist im Profil dargestellt, die Beine scheinen übereinandergeschlagen zu sein, so daß der untere Teil des Kleides rechts und links von der Hüfte weit absteht. Die Porträtierte wendet den Kopf dem Betrachter zu. Während Hénard den Hintergrund nur andeutete, verwandte er viel Sorgfalt auf die Ausarbeitung der Kleidung und besonders des Gesichts. Die Fältelung des Stoffes ist mit Schatten in gelben und grauen Tönen sowie mit Höhungen in Weiß sehr lebendig wiedergegeben. Das Gesicht ist fein modelliert, die Augen sind bis zu den roten Äderchen in den inneren Winkeln differenziert gemalt und wirken aus diesem Grunde so ausdrucksstark.
J.S.O.
1 Vgl. Kat.-Nr. 2005-73 und Otten, Pappe, Schmieglitz-Otten 2000, Kat.-Nr. 2000-32. Dieses Detail weist auf einen interessanten Aspekt der Malpraxis, denn das wiederholte Vorkommen des gleichen Schals auf Miniaturen dieses Künstlers deutet darauf hin, daß Hénard dieses Kleidungsstück entweder als Requisit in seinem Atelier für die Porträtierten vorhielt oder daß er es wie auch möglicherweise weitere Kleidungsstücke aus der Phantasie hinzumalte, ähnlich dem später aus eigenem Repertoire hinzugefügten Hintergrund.
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