Rechts

Ord.Nr.: 10.338
Kat.Nr.: 2005-72

Auf den Leuchttisch legen

Herr in dunkelbraunem Rock

1795
kreisrund: 6.50 cm x 0.00 cm
Goldkapsel, Rückseite mit Haaren und Initialen

Vor blaugrauem Hintergrund porträtierte Johann Julius Heinsius 1 einen Herrn in dunkelbraunem Rock. Der Künstler gestaltete die Kleidung zwar detailliert, aber in breiten, virtuos gesetzten Pinselstrichen. Das Gesicht malte er in einer Punktiertechnik, die in Frankreich in dieser deutlichen Struktur sonst kaum vorkommt. Der Maler schuf hier kein idealisiertes oder typisiertes Bildnis, sondern stellte einen Charakter dar. Die hochgezogenen Augenbrauen in Verbindung mit den tiefen Lidern und den schmalen, etwas zusammengepreßten Lippen verleihen ihm einen herablassenddistanzierten Ausdruck.
Der Herr trägt unter dem einfarbigen Tuchfrack, der im letzten Drittel des 18.Jahrhunderts den bunt bestickten Justeaucorps verdrängt hatte, eine blau und gelb bestickte Weste, das ärmellose Gilet, dessen Revers und Kragen nach außen geschlagen sind, um einen farbigen Akzent zu setzen. Das weiße Halstuch ist mehrere Male um den Hals gewickelt und vorn mit einer Schleife zugeknotet, der Hemdverschluß ist von einem Jabot verdeckt.

J.S.O.


1 Die Werke von Johann Julius Heinsius (Hildburghausen 17401812Orléans) und die seines älteren Bruders, des thüringischen HofmalersJohann Ernst Heinsius (Ilmenau 17311794 Erfurt), sind lange Zeit alsein OEuvre zusammengefaßt worden. Dank der Forschungen Dauch-Schroeders konnten erstmals beide Biographien voneinander unterschiedenund Werke zugeordnet werden. Die bisher Johann Ernst zugewieseneund nur mit »Heinsius« signierte Miniatur kann aufgrund ihrerEntstehungszeit nur von Johann Julius gemalt worden sein. Dieser wandertenach Frankreich aus (ab 1767 nachgewiesen) und arbeitete ab den1790er Jahren in Orléans, wo er 1812 starb. Nur von ihm sind nebenPorträts auch Genreszenen und Miniaturen überliefert. Vgl. Dauch-Schroeder 1937, S. 9. Ein angebliches Selbstbildnis von Johann JuliusHeinsius, signiert und datiert 1796, zeigt einen Maler mit Palette an derStaffelei (Christies' s Genf, 16.5.1995, Nr. 12). Zu Johann Ernst Heinsiussiehe auch Jaenicke 2001 sowie Vanhoefen und Winker 2004.