Kataloge
Herr in dunkelblauem Rock
Die für Isabeys Miniaturporträts typische Kontrastierung von dunklem Hintergrund und hellem Gesicht findet man in allen in dieser Auswahl präsentierten Werken des Künstlers. Sie steht in auffallendem Kontrast zu Miniaturen aus der Zeit Ludwigs XVI., in denen stimmungsvolle Atmosphäre und sanftes, fröhliches Kolorit vorherrschen. Durch die klassische Einfachheit und große Ruhe der Darstellung erreichte Isabey in seinen Porträts aber eine gewisse Monumentalität. Die imposante Würde des Porträts wird durch den ungewöhnlich dunklen, ja beinahe schwarzen Hintergrund bedeutend verstärkt; das Modell wird dadurch dem natürlichen Umfeld enthoben und in geheimnisvolle Leere gesetzt.
Isabey konnte seine künstlerische Laufbahn während der Revolution trotz seiner früheren Kontakte zum Hof in Versailles beträchtlich ausbauen, denn er mischte sich nie in politische Aktivitäten ein. Das war klug, denn er mußte mit Menschen unterschiedlicher Gesinnung umgehen, wollte er seine Kunst ausüben und davon leben können. Tatsächlich schaffte es Isabey während seines langen Lebens, unter jeder Regierung die führenden Häupter porträtieren zu können.
Seine geistreiche, witzige und positive Art, verbunden mit einem ansprechenden Äußeren, machte Isabey in jeder Gesellschaft angenehm und verschaffte dem Künstler Aufträge, die sein Talent allein ihm wohl nicht ermöglicht hätte. 1
B.P.
1 Der mit Isabey befreundete Maler Etienne Jean Delécluze charakterisierte den Miniaturisten in seinem Nachruf von 1855 mit wenigen, aber vermutlich treffenden Worten: »Nicht nur war Isabey immer fröhlich, liebenswürdig und anmutig in der Welt, sondern er war auch von erstaunlicher Beweglichkeit und Geschick.« Vgl. Feuilleton du Journal des débats, 27.4.1855 (ohne Seitenangabe).
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