Rechts

Ord.Nr.: 10.455
Kat.Nr.: 2005-94

Auf den Leuchttisch legen

Dame in blau gestreiftem Kleid mit Medaillon

um 1789
kreisrund: 5.80 cm x 0.00 cm
späterer gelber Metallrahmen mit rückseitiger Gravur "La Belle Chalonnaise/ by Michelet"

Lemoine wählte beim Porträtieren - wie zahlreiche andere Miniaturisten auch - häufig ähnliche Posen. Die vertraute Gesichts- und Körperdrehung erleichterte dem Künstler das Erfassen der Züge. So entsprechen Pose und Beleuchtung der Dame im blau gestreiften Kleid gänzlich jener in Kat.-Nr. 2005-93.
Das Medaillon am Hals der Dame zeigt vermutlich ein Bildnis des Empfängers der Miniatur, die ihm als Erinnerung zugedacht war. Er mag sich beim Anblick des betont nachlässig geschnürten Mieders und der ursprünglich entblößten Schultern an gemeinsame Momente des Glücks erinnert haben. 1
Die stilistische Verwandtschaft der Miniaturen Lemoines und Halls ist unbestreitbar. Ob die beiden Miniaturisten sich aber persönlich kannten, ist nirgends belegt. Obwohl Miniaturporträts üblicherweise intimen Charakter hatten und Dritten nicht ohne weiteres gezeigt wurden, konnte Lemoine Werke Halls auf den Ausstellungen des Pariser Salons studieren. 2 Von Hall übernahm Lemoine das freie Vorskizzieren des Bildnisses auf dem Elfenbeinblatt mit grauem Stift und die spontane und virtuose Malweise der Kleider in Gouachefarben. Das impressionistische Buschwerk im Hintergrund, das in vielen Miniaturen Halls Parklandschaft andeutet, ersetzte Lemoine hingegen durch eine nur durch Hell-Dunkelwerte nuancierte, monochrome Fläche.

B.P.


1 Die entblößten Schultern wurden nachträglich übermalt: Die weißen Ärmel über den Oberarmen wurden weiter nach oben gezogen, um die Dargestellte etwas züchtiger wirken zu lassen.

2 Hall war zwar nie vollwertiges Mitglied der Kunstakademie, als Agréé war ihm jedoch die Teilnahme an den Ausstellungen möglich.