Kataloge
Dame mit Gitarre
Vor einem in zartem Blaugrau gehaltenen Himmel porträtierte ein Künstler aus dem Umkreis Gigolas 1 eine jungeDame in blauem Empirekleid. Das schlichte Gewand mit den kurzen Ärmeln, das locker hochgesteckte Haar, das von einer Rose geschmückt ist und aus dem sich einzelne Locken herauslösen, geben ihr einen verspielt-kindlichen Ausdruck.
Auf dem linken Knie hält die Dame eine Gitarre, ihre linke Hand greift einen Akkord, während die Finger der Rechten zu einem Arpeggio über die Saiten bereit gehalten sind. Auf die Wiedergabe der Gitarre wie überhaupt auf den musikalischen Eindruck des Porträts hat sich der Miniaturist konzentriert, denn das Instrument erscheint hier nicht als schmückendes Beiwerk, sondern das Bildnis ist so sehr von seinem musikalischen Gehalt bestimmt, daß der Betrachter in die Erwartung versetzt wird, die Dame spielen hören zu können. Sie hält die Gitarre in der klassischen, von der Laute herrührenden Weise. Das aus dem Spanischen stammende Instrument hatte am Ende des 18. Jahrhunderts durch die Hinzufügung einer sechsten Saite seine heutige Form bekommen 2 und erfreute sich im 19. Jahrhundert einer zunehmenden Beliebtheit, war es doch weitaus einfacher zu spielen
als die mehrchörige Laute. Da sie auch leicht zu transportieren ist, wurde die Gitarre zu einem geschätzten Instrument in bürgerlichen Kreisen.
Die Details zeigen, daß der Maler hier eine realistische Szene wiedergegeben hat: Der ungewöhnliche und dadurch reizvolle Fall der Halskette, die über der rechten Brust der Dame herabhängt, erklärt sich daher, daß der Schmuck, auf die übliche Weise getragen, locker am Korpus des Instrumentes liegen und durch dessen Berührung zu störender Verstärkung der Schwingungen des Schallkörpers führen und Nebengeräusche hervorrufen würde.
J.S.O.
1 Für ihre Hilfe bei der Zuordnung dieser Miniatur danken wir sehr herzlich Bernardo und Anna Maria Falconi, Brescia.2 Irritierend ist die Wiedergabe von nur vier sichtbaren hinterständigen Wirbeln, die dem Stimmen und der Befestigung der Saiten am Halsende der Gitarre dienen. Möglicherweise sind die zwei fehlenden durch die linke Hand verdeckt, oder der Miniaturist hat hierauf weniger Genauigkeit verwandt.
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