Rechts

Ord.Nr.: 10.080
Kat.Nr.: 2008-2

Auf den Leuchttisch legen

Zwei Mädchen

um 1760
rechteckig: 5.50 cm x 7.50 cm
Silberrahmen

Der Miniaturist Samuel Baumeister porträtierte zwei Mädchen aus einer vornehmen Familie. Die Ähnlichkeit in Gesicht, Kleidung und Armschmuck legt nahe, dass es sich um Schwestern handelt. Beide tragen modische Kleider mit weitem Dekolleté, reichem Spitzenbesatz an den weit auslaufenden Ärmeln und einer Schneppentaille, die sich nur in der Farbe unterscheiden. Der Hintergrund ist schlicht angelegt, allein das Blau in der rechten Bildhälfte, bei dem es sich
um die Lehne eines Sitzmöbels handeln könnte, nimmt noch
einmal den Ton des Kleides der älteren Schwester auf und umschließt so die jüngere. Alle Konzentration fällt auf die Darstellung der beiden Mädchen; der Maler scheint es sich zur Aufgabe gemacht zu haben, ihre Beziehung zueinander durch aufeinander bezogene und kontrastierende Elemente darzustellen.
Beide Schwestern sind von der Bildmitte aus beinahe spiegelsymmetrisch zueinander platziert. Während ihre Körper durch eine leichte Drehung einander zugewandt sind, schauen sie den Bildbetrachter an. Sie scheinen einander wie »aus dem Gesicht geschnitten«, allein die unterschiedliche Frisur und Kopfzier betonen die längliche Kopfform der älteren Schwester und heben das rundliche Gesicht der jüngeren hervor. In das Haar eingearbeitete farbige Bänder korrespondieren mit der Kleiderfarbe der Schwester, ebenso wie die Rose in der Hand des älteren Mädchens die Farbe des Kleides des jüngeren aufnimmt. Die Verbundenheit beider kommt auch in der Haltung der Hände zum Ausdruck: Die ältere hat ihren linken Arm fürsorglich um die Schulter der jüngeren gelegt, welche mit beiden Händen der Schwester entgegenkommt, so als wolle sie deren Rechte fassen. Die Malweise Baumeisters zeichnet sich durch eine sehr feine Punk­tierung aus, mit der er nicht nur die Haut der Gesichter und der Dekolletés, sondern auch die Details der Kleidung differenziert wiedergab.
Auch wenn Baumeister in diesem Doppelporträt Kleidung, Schmuck und Kopfputz als Standescharakteristika breiten Raum gab, so dass die beiden Mädchen aus heutiger Sicht ein wenig puppenhaft erscheinen, gelang ihm doch ein Bildnis, dessen Ausdruck von Anhänglichkeit und Verbundenheit sich auch der heutige Betrachter schwer entziehen kann.

J.S.O.