Kataloge
Herr in blauem Rock
Der Herr in damastartig gemustertem, blauem Rock dürfte, dem Schnitt der Perücke nach zu urteilen, um 1720 porträtiert worden sein. Er nimmt eine im Werk Rosalba Carrieras häufige Pose ein. 1 Der Körper ist nach links, der Kopf nach rechts gewandt, und der Blick trifft den des Bildbetrachters. Diese im Rokokoporträt beliebte Wendung verleiht dem Porträt Dynamik und Lebendigkeit.
Das in Grau- und Blautönen gehaltene Kolorit ist heute ein charakteristisches Merkmal der Miniaturen Carrieras, allerdings nicht, weil es Ausdruck ihrer Malweise war, sondern ein Resultat des Bleichens instabiler Farben. Die Künstlerin verwendete zahlreiche aus Pflanzen gewonnene Farbstoffe für ihre Malerei. Sie sind zwar in ihren Miniaturen heute nicht mehr nachweisbar, aber durch ihre Notizen, in denen sie die verwendeten Pflanzen und deren Zubereitung zu Farbe beschreibt, überliefert. 2 Wir finden darin neben den bekannten Farbhölzern Blauholz und Fernambuk auch Mohn, Holunder, Levkoje, Brombeere, Iris, Gladiole, Veilchen, Waid und Rose als Ausgangsprodukte für verschiedene Farbtöne. Diese Pflanzenextrakte sind sehr lichtempfindlich und in den Werken Rosalba Carrieras deshalb größtenteils ausgeblichen. Auch wenn Rückschlüsse auf das ursprüngliche Erscheinungsbild der Werke der Künstlerin Hypothese sind, lässt dieses Herrenbildnis einen Verlust der Gelb-, Orange- und Rottöne erkennen. Das leuchtende Blau ist vermutlich anorganischer Natur und widerstand der bleichenden Wirkung des Lichts deshalb sehr viel besser.
B. P.
1 In der Pose sehr ähnliche Bildnisse befinden sich im Victoria & Albert Museum, London, und in einer Londoner Privatsammlung (siehe S. 2008-18, Abb. 7). Vgl. auch Katalog Venedig 2007, S. 172 -174.
2 Das Manuskript wurde von Manlio Brusatin und Vittorio Mandelli 2005 wissenschaftlich bearbeitet und publiziert (s. Brusatin und Mandelli 2005).
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