Rechts

Ord.Nr.: 10.289
Kat.Nr.: 2008-28

Auf den Leuchttisch legen

Marie-Louise-Elisabeth von Frankreich, "Mme Infante"

um 1750
rechteckig: 4.30 cm x 5.20 cm
späterer vergoldeter Metallrahmen

Marie-Louise-Elisabeth (1727-1759) war die älteste Tochter Ludwigs XV. und seiner Gattin Maria Leszczynska. Ihr Vater, bei ihrer Geburt erst 17-jährig, hatte zu der Tochter, die sich durch Intelligenz und einen unabhängigen und stolzen Charakter auszeichnete, eine besonders innige Beziehung. Marie-Louise-Elisabeth wurde bereits im Alter von zwölf Jahren mit Philipp von Bourbon (Kat.-Nr. 2008-145), einem Sohn Philipps V. von Spanien, verheiratet. In den Augen des französischen Hofes war dies eine Mésalliance, denn ihr Gemahl hatte kaum Chancen, einst den Thron Spaniens zu besteigen. Marie-Louise-Elisabeth, von nun an »Madame Infante« genannt, empfand die strenge Etikette des spanischen Hofes als sehr bedrückend. Aus der sich harmonisch entwickelnden Ehe gingen die beiden Töchter Isabelle (Kat.-Nr. 2008-84) und Marie-Louise sowie der Sohn Ferdinand hervor.
Als Ludwig XV. nach dem Frieden von Aix-la-Chapelle 1748 die Herzogtümer Parma, Guastalla und Piacenza er­hielt, schenkte er diese seinem Schwiegersohn Philipp, was Marie-Louise-Elisabeth ermöglichte, den spanischen Hof zu verlassen. 1749 zog sie nach Parma und richtete ihr dortiges Palais dem Zeitgeschmack entsprechend ein. 1759 erlag sie den Windpocken und wurde neben ihrer 1752 verstorbenen Zwillingsschwester Henriette in Saint-Denis bei Paris beigesetzt.
Garand kopierte das Bildnis Marie-Louise-Elisabeths nach einem Gemälde Nattiers, für das dieser 1749 eine Kopfstudie gemalt hatte, 1 anhand derer er später mehrere Porträts der Dargestellten anfertigte, ohne dass das Modell erneut zu posieren brauchte. 2 Die frontale Pose verleiht der Dame Präsenz und lässt sie willensstark erscheinen. Sie trägt eine kostbare, mit Edelsteinen geschmückte Hofrobe und einen hermelinbesetzten roten Mantel, der auf ihre Stellung als Erstgeborene des Königshauses hinweist.

B. P.


1 Statens Museum for Kunst, Kopenhagen.

2 Eine Version ist abgebildet bei Salmon 1999, S. 212, Fig. 2, eine weitere - in Miniatur - aus der Sammlung Tansey bei Otten, Pappe, Schmieglitz-Otten 2000, Kat.-Nr. 108.