Kataloge
Herr in Rüstung
In Seitenansicht, den Kopf dem Betrachter zugewandt, ließ sich ein junger Herr in Rüstung und mit einem roten Umhang porträtieren. Der weiße Kragen macht deutlich, dass der Brustharnisch ein Standesattribut darstellt und - da zur Entstehungszeit kriegstechnisch überholt und nicht mehr gebräuchlich - nicht Teil einer kriegerischen Rüstung sein soll, sondern einen Adligen kennzeichnet.
Die zügige Malweise Hones, die Oberkörper und Gesicht nicht bis ins Detail ausgearbeitet, sondern eher summarisch wiedergibt, dafür aber Licht- und Schattenpartien sowie die Lichtreflexe auf Kragen und Rüstung betont, verleiht dem Porträt sehr viel Lebendigkeit. Das Gesicht, dessen Individualität durch die Verhaltenheit des Ausdrucks und die feinen Züge unterstrichen wird, zieht die ganze Aufmerksamkeit auf sich. Auch dass der Dargestellte sich ohne die übliche Standesperücke porträtieren ließ und dafür sein rötliches, leicht gekräuseltes natürliches Haar zeigt, spricht für den persönlichen Charakter des Porträts. Dem Künstler ist es gelungen, über den gesellschaftlichen Rang des jungen Herrn hinaus auch dessen Wesen zu charakterisieren.
Die Emailmalerei setzte beim Künstler eine sehr genaue Vorstellung von der Veränderung der Farben während des Emaillierprozesses voraus. Deshalb beeindruckt die gekonnte und mit feiner Binnendifferenzierung wiedergegebene spiegelnde Fläche der Rüstung an Schulter und Oberarm besonders.
J.S.O.
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