Kataloge
vermutlich Elisabeth Christine, Königin von Preußen
In dieser Miniatur wurde vermutlich Elisabeth Christine, Königin von Preußen (1715 -1797) porträtiert, 1 zu einem Zeitpunkt, als sie bereits von ihrem Gemahl Friedrich dem Großen getrennt auf dem nördlich von Berlin gelegenen Schloss Niederschönhausen lebte. Die von König Friedrich Wilhelm I. gegen den Protest seiner Frau, Sophie Dorothea von Hannover, die eine Verbindung mit dem englischen Königshaus wünschte, 1733 veranlasste Ehe verlief unglücklich. Zum einen empfand Friedrich für die Prinzessin aus dem Hause Braunschweig-Wolfenbüttel-Bevern keinerlei Sympathie, zum andern neigte er eher dem eigenen Geschlechte zu. Ihre erniedrigende »Verbannung« führte bei Elisabeth Christine zu Melancholie und Unausgeglichenheit.
Anton Friedrich König stellte die Dame mit einem roten Hermelinmantel dar, auf den die Insignien ihrer Würde - goldene Kronen - gestickt sind. Sie trägt ein vergleichsweise schlichtes blaues Kleid, und ihr Schmuck beschränkt sich auf die darauf applizierten Blumen.
König war der beliebteste und produktivste Miniaturmaler am Hof Friedrichs des Großen. Er malte die Familie etliche Male in variationsreichen Porträts; auch von Elisabeth Christine existieren noch andere Miniaturen von seiner Hand. 2 Seine 1783 anlässlich der Goldenen Hochzeit gemalte Miniatur des Königspaares mutet angesichts der Trennung der Eheleute seltsam an. Sie stehen Hand in Hand vor einem an ihre Hochzeit erinnernden Obelisken, und der König überreicht seiner Frau ein Sträußchen Rosen. 3
B. P.
1 Ein in der Gesichtsphysiognomie sehr ähnliches Porträt der Königin wurde von Antoine Pesne um 1750 gemalt und befindet sich heute im Neuen Palais in Sanssouci, Potsdam (GK I 2877). Vera Reise und Heidemarie Anderlik, Deutsches Historisches Museum Berlin, beurteilen die Identifikation der Dargestellten als Elisabeth Christine von Preußen ebenfalls als wahrscheinlich. Wir danken ihnen für ihre Nachforschungen.
2 Zwei Beispiele befinden sich auf Schloss Fasanerie, Eichenzell, I/76 und I/91.
3 Ein Exemplar befindet sich auf Schloss Fasanerie, Eichenzell, I/99. Ein weiteres, irrtümlich als Erinnerungsminiatur der silbernen Hochzeit (1758) betrachtet, wurde verkauft bei Christie' s London, 7. 12. 2004, Nr. 184.
|
|
|
|

