Rechts

Ord.Nr.: 10.509
Kat.Nr.: 2008-34

Auf den Leuchttisch legen

Vermutlich Caroline Mathilde, Königin von Dänemark und Norwegen

um 1770
oval: 4.20 cm x 3.30 cm
vergoldete Metallkapsel

Die Miniatur gelangte als das Bildnis einer unbekannten Dame und als ein Werk Mosniers in die Sammlung Tansey. Es handelt sich jedoch um eine typische Arbeit des dänischen Miniaturisten Cornelius Høyer. Er malte das Porträt nur wenige Jahre nach seiner Ausbildung im Atelier des Pariser Miniaturmalers Massé. Ihm verdankt der junge Høyer seinen leichten und anmutigen Porträtstil und die breite, freie Malweise seiner Miniaturen. Hennings beschreibt in seinem Essai historique von 1778 den Einfluss Massés auf den Künstler: »Obwohl Massé bereits zu alt war um zu arbeiten, waren sein Tun und seine Gespräche unserem jungen Künstler lehrreich. […] Sein Haus war ein Treffpunkt der hervorragendsten Künstler; sie kamen aus allen Winkeln Europas. All ihre Gespräche drehten sich um Kunst. Die Konkurrenz von so vielen talentierten Leuten musste das Talent des Herrn Høyer wecken und stärken, und ihm die ganze Kraft geben, deren er empfänglich war.« 1
Bei der Dargestellten handelt es sich mit großer Wahrscheinlichkeit um die dänische Königin Caroline Mathilde. Sie trägt an ihrer Brust den mit Brillanten verzierten Caroline-Mathilden-Orden, den die Königin 1771 gestiftet hatte, um damit den engsten Kreis um das Königspaar und den zum Kabinettsminister aufgestiegenen Leibarzt des dänischen Königs Christian VII. (Kat.-Nr. 2008- 35 und 80) auszuzeichnen. 2 Ein Jahr später sollte der wegen seines Aufstiegs am Kopenhagener Hof und seines Verhältnisses mit der Königin in Misskredit geratene Struensee gestürzt und hingerichtet werden.

J.S.O. / B.P.


1 Hennings 1778, S. 129. Vgl. Colding 1961, S. 187.

2 Weibliche Ordensträger waren neben der Königin: Juliane Marie von Dänemark, Christine Sophie Gähler, Baronin Caroline Schimmelmann, Amalie Sophie von Holstein sowie die Oberhofmeisterin Caroline Ma­thildes, Louise von Plessen. Während die ersten aufgrund von Unähnlichkeit oder ihres Alters wegen als Dargestellte nicht in Frage kommen, scheidet Louise von Plessen aus, da sie sich zum Zeitpunkt der Verleihung nicht mehr am Kopenhagener Hof, sondern in Celle befand. Vgl. das vielfach als Vorlage genutzte Porträt von Jens Juel (Residenzmuseum im Celler Schloss, Inv.-Nr. BM 71/ST). Zur Geschichte des Caroline Mathilde-Ordens vgl. Schmieglitz-Otten/Steinau 2001, S. 50 ff.