Kataloge
Dame beim Zeichnen
In diesem Bildnis sind die individuellen Gesichtszüge der Porträtierten ganz offenbar der Realität entsprechend wiedergegeben, denn zu ungewöhnlich und dem Idealbild der Zeit wenig nahe ist das Gesicht der Dame, die hier den Betrachter selbstbewusst anschaut. Die nach vorn sich verbreiternde Stupsnase, der kleine Mund mit den Grübchen und das kleine runde Kinn scheinen eher zu einem Kindergesicht zu gehören und passen nicht so recht zu den großen, ein wenig blasiert blickenden Augen. Das reich verzierte blaue Kleid mit weißen Spitzenärmeln und das hoch aufgetürmte gepuderte Haar mit den oben sorgsam zu einem geometrischen Muster gelegten Haarsträngen steht im Gegensatz zu dem kecken Ausdruck der Dame.
Der ein wenig kuriose Eindruck dieses Bildnisses wird auch durch eine weitere Eigenart hervorgerufen: In der rechten Hand hält die Dargestellte einen Stift, mit dem sie noch an der Zeichnung eines Kindes arbeitet, doch passen ihre vom Bild fortgedrehte Körperhaltung und ihr dem Betrachter zugewandter Blick wenig zu dieser Tätigkeit. Ein daneben liegender Zirkel und ein Globus im Hintergrund wirken wie sorgsam arrangierte Attribute, die das Interesse der Dame für das Zeichnen und die Gelehrtenwelt andeuten wollen.
J.S.O.
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