Kataloge
Dame mit rosafarbenem Umhang
Die unbekannte Dame, die sich um die Mitte des 18. Jahrhunderts in dieser Miniatur porträtieren ließ, verzichtete auf Attribute, die auf ihren gesellschaftlichen Stand hinweisen würden. Der Bildnistradition Nattiers entsprechend, ist die Büste eingebettet in üppig bauschende Gewebe, deren Glanz und Brechung eigene ornamentale Gebilde formt. Die Dargestellte ist durch ihre der Phantasie des Künstlers entsprungene Kleidung der Alltagswelt enthoben; sie scheint ihren Platz eher unter den griechischen Göttern als auf Erden zu haben. Diese Verfremdung erlaubte es dem Maler, die Schöne mit entblößter Brust darzustellen, ohne dass das Bildnis dadurch anstößig oder obszön wirken würde. Die ungekünstelte Haltung und das sanfte Lächeln unterstreichen den Anschein von Jugendfrische und Anmut.
Vor dem abendlich dunklen Himmel wird die Zartheit des nur in weichen Schattierungen modellierten Inkarnats noch gesteigert. Plastizität wird durch die helle Himmelspartie erreicht, die an die Schattenseite des Gesichts angrenzt. Die vorherrschenden Blau- und Rosatöne entsprechen der Palette Nattiers, der sich am Kolorit von Pastellen inspirierte. Die breite Malweise und der Gebrauch von Elfenbein als Malgrund sprechen allerdings nicht für einen französischen, sondern eher für einen schwedischen Künstler.
B.P.
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