Kataloge
Marie-Adélaïde von Frankreich
Von den Töchtern Ludwigs XV. sind hier einzig die um 1765, als die Miniaturengruppe gemalt wurde, noch lebenden abgebildet. 1 Demzufolge fehlen die erstgeborenen Zwillinge Marie-Louise-Elisabeth (1727-1759) (Kat.-Nr. 2008-28) und Anne-Henriette (1727-1752), die dritte Tochter Marie- Louise (1728 -1733) sowie die als neuntes Kind geborene Thérèse-Félicité (1736 -1744).
Marie-Adélaïde, genannt Madame Adélaïde (1732 -1800), war das sechste Kind Ludwigs XV. und Maria Leszczynskas. Sie lebte zusammen mit ihrer jüngeren Schwester Victoire-Louise-Marie-Thérèse, genannt Madame Victoire (1733 -1799), auf Schloss Bellevue und mischte sich kaum in politische Angelegenheiten ein. Mit dem Ausbruch der Französischen Revolution geriet das Leben der Schwestern in Gefahr, und am 19. Februar 1791 verließen sie Paris und gelangten trotz ihrer Verhaftungen in Moret und Arnay-le-Duc schließlich nach Rom. Die Bedrängnis wuchs erneut, als die französischen Truppen unter Napoleon 1799 in Italien eindrangen. Die Schwestern flohen nach Neapel und schließlich nach Triest, wo Madame Victoire 1799 und Madame Adélaïde 1800 starben.
Sophie-Philippine-Elisabeth (1734 -1782), genannt Madame Sophie, wurde zusammen mit ihren Schwestern in Fontevrault erzogen und lebte auf Schoss Bellevue und Louvois.
Marie-Louise, genannt Madame Louise (1737-1787), war das letztgeborene Kind des Königs. Sie trat 1770 unter dem Namen Schwester Thérèse de Saint-Augustin dem Karmeliterorden bei.
Das Bildnis der Madame Adélaïde wurde nach dem Porträt Nattiers von 1756 gemalt. 2 Sie ist dort mit einem Garnschiffchen beim Klöppeln dargestellt und trägt im Unterschied zu der Miniatur rosafarbene Bänder am Hals und im Haar. Das Miniaturbild der Madame Victoire entstand in Anlehnung an das Porträt Roslins von 1765, das sich heute im Museum Sinebrychoff in Helsinki befindet. Der Kopf, die Frisur und das rückseitige Haarband wurden vom Miniaturisten genau kopiert, den reichen Blumenschmuck an Kleid und Frisur ließ er aber weg. Madame Sophie und Madame Louise wurden nach Vorlagen von Drouais von 1763 gemalt, allerdings wieder bei freier Interpretation der Kleidung. Drouais' Gemälde der Madame Sophie zeigt die Dame mit Notenblättern in den Händen. 3 Sein Porträt der Madame Louise malte er bei gleichbleibendem Kopftyp in unterschiedlichen Kleidern und Posen. 4
B.P.
1 Wir danken René Maître für seine Hinweise zur Biographie der Dargestellten.
2 Versailles, Inv.-Nr. MV 3801. Ähnlicher Kopftyp in der Version von 1759, die die Dame mit Notenblättern zeigt. Vgl. Versailles, Inv. Nr. 2178 (Atelier Nattiers).
3 Versailles, Inv.-Nr. MV 3810 und 3809.
4 Kopien in Versailles, Inv.-Nr. MV. 2183 und 3813. Wir danken Jean-Jacques Petit herzlich für seine Hinweise zu diesen Miniaturen.
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