Rechts

Ord.Nr.: 10.854
Kat.Nr.: 2008-161

Auf den Leuchttisch legen

Elisabeth-Philippine-Marie-Hélène von Frankreich

um 1765
oval: 1.50 cm x 1.40 cm
Goldkapsel

Die fünf Miniaturen zeigen die zur Entstehungszeit der Miniaturen - um 1765 - noch lebenden Kinder des Dauphin Ludwig von Frankreich und seiner Frau Maria Josepha von Sachsen. 1
Louis-Auguste (1754 -1793) wurde nach dem Tod seiner beiden älteren Brüder Dauphin von Frankreich. 1770 heiratete er Marie-Antoinette von Österreich, mit der er vier Kinder hatte. Als sein Großvater 1774 starb - sein Vater verschied bereits 1765 - bestieg er als Ludwig XVI. den Thron Frankreichs. Während der Französischen Revolution wurde er inhaftiert und 1793 durch die Guillotine hingerichtet. Von seinen Kindern überlebte einzig Marie-Thérèse-Charlotte, spätere Duchesse d' Angoulême, die Revolution.
Louis-Stanislas-Xavier (1755 -1824), Comte de Provence, war nach dem Tod seines Bruders und dessen Sohnes der offizielle Thronanwärter Frankreichs, doch verhinderten zunächst die Revolution und die anschließende Machtübernahme Napoleons seine Thronbesteigung. Er heiratete 1771 Maria Josephine von Savoyen, mit der er jedoch keine Kinder hatte. Erst 1814, im Wiener Kongress, wurde er als Ludwig XVIII. zum König proklamiert. Die »100 Tage« Napoleons verbrachte er in Gent, kehrte aber nach der Niederlage des Kaisers bei Waterloo erneut auf Frankreichs Thron zurück.
Charles-Philippe (1757-1836), Comte d' Artois, verbrachte die Jahre der Revolution und des Kaiserreichs ebenfalls im Ausland. Nach dem Tod seines älteren Bruders ließ er sich 1824 in der Kathedrale zu Reims krönen. Seine autoritäre und repressive Regierung führte 1830 zur Julirevolution und zu seiner Absetzung. Mit seiner Frau Maria Therese von Sardinien hatte er zwei Söhne, Louis-Antoine, Duc d' Angoulême, der 1830 seinen Verzicht auf die Krone Frankreichs unterzeichnete, und Charles-Ferdinand, Duc de Berry, der 1820 ermordet wurde.
Marie-Adélaide-Clothilde-Xavière (1759 -1802) wurde 1775 mit Karl Emanuel IV. von Savoyen, seit 1796 König von Sardinien, verheiratet. Sie starb kinderlos in Neapel.
Elisabeth-Philippine-Marie-Hélène (1764 -1794), genannt Madame Elisabeth, lebte auf ihrem Landsitz in Montreuil. Beim Ausbruch der Französischen Revolution beschloss sie, das Schicksal ihres geliebten Bruders zu teilen und blieb deshalb in Paris. 1794 wurde sie zum Tode verurteilt und hingerichtet.
Die Miniaturen Ludwigs XVI. und des Comte d' Artois wurden nach Gemälden von Frédou gemalt, 2 die Vorlagen der anderen Miniaturen sind nicht bekannt.
B.P.


1 Wir danken René Maître für seine Hinweise zu den Biographien der Dargestellten.

2 Das Porträt Ludwigs XVI. von Frédou wurde bei Drouot, Paris, am 14. 6. 2000, Nr. 71 (Modell nicht identifiziert) verkauft, dasjenige des Herzogs von Artois bei Christie' s London, am 29. 10. 2003, Nr. 58 (irrtümlich der Schule Louis-Michel Van Loos zugewiesen). Wir danken Jean-Jacques Petit und Laurent Hugues herzlich für ihre Mithilfe bei der Einordnung dieser Miniaturen.