Rechts

Ord.Nr.: 10.982
Kat.Nr.: 2008-149

Auf den Leuchttisch legen

Dame als Flora

um 1750
oval: 4.50 cm x 6.30 cm
geschnitzter und vergoldeter Holzrahmen

Diese Miniatur eines unbekannten französischen Künstlers ist ein weiteres Beispiel dafür, dass man sich im 18. Jahrhundert gern der allegorischen Sprache bediente, die vom Adel, der die Hauptkundschaft für Miniaturporträts bildete, auch verstanden wurde. 1 Zugleich zeigt sie aber auch, dass es sich nicht mehr - wie noch in Mittelalter und Renaissance - um eine Wiedergabe des antiken Themas selbst handelt, sondern dass sich die Maler der antiken Götterwelt als eines Theaterfundus' bedienten, daraus Rollen und Attribute entlehnten und diese in die kokette Welt des Rokoko transponierten. 2
So erscheint die junge Dame auf dieser Miniatur in einem weißen Kleid, das der Vorliebe der Zeit für die stilisierte Einfachheit einer Schäferidylle entspricht. Nur die Blüten im aufgeschürzt gehaltenen Rock verweisen noch auf die Frühlingsgöttin Flora, deren Attribute Blumen in ihrem Schoß sind. Weitere Blüten sind in gleichmäßigem Farbwechsel rein dekorativ auf Ärmel und Dekolleté genäht. Die Dame trägt den keck aufgesetzten Strohhut einer Gärtnerin, der auf modisch-zeitgemäße Art auf Floras Rolle als Herrscherin über die Welt der Blumen und Blüten anspielt. Wird sie sonst meist mit Blumenschmuck auf dem Haupt, oft in Form eines Kranzes, dargestellt, ist dieser hier einem kleinen, in den Hut geflochtenen Sträußchen gewichen. Gleichzeitig unterstreicht der schräg nach vorn weisende Strohhut die Bewegtheit des Bildes, die durch den nach rechts gewandten Oberkörper und ihr ein wenig nach links gedrehtes Gesicht entsteht.
Auffällig ist, dass der Maler sich hier nicht nur eines Hintergrundrepertoires - Landschaft mit Bäumen - bedient hat, sondern offenbar auf eine bestimmte Gegend anspielen wollte. Im rechten Bildteil wird eine weite Mittelgebirgslandschaft erkennbar, in deren Vordergrund nicht näher zu identifizierende Anklänge an eine Burg oder ein Schloss zu sehen sind, die vermutlich auf die Herkunft der Porträtierten verweisen.

J.S.O.


1 Vgl. z. B. im Katalog die Nummern 2008-7, 2008-16, 2008-49, 2008-113, 2008-148, 2008-152.

2 Vgl. S. 2008-63 ff.