Rechts

Ord.Nr.: 10.624
Kat.Nr.: 2005-118

Auf den Leuchttisch legen

Marie Louise Potain, geborene Le Sachet

1791
oval: 5.40 cm x 4.30 cm
Goldreife (mit Stempel: gekröntes P) auf Schildpattdose

Augustin Ritt zählt zu den besten Miniaturisten seiner Zeit. Seine Arbeiten sind stilistisch und maltechnisch mit den Werken Halls verwandt. Ritts Malstil ist großzügig, manchmal nur andeutend, doch gerade dadurch erscheinen seine Modelle realistisch und lebendig. Das Porträt der damals 70jährigen Mme Potain 1 schuf er 1791.
Marie Louise Potain, geborene Le Sachet, war die Ehefrau von Nicolas Marie Potain (1713-1776), Architekt am Hofe des Königs Louis XVI. Potain überwachte von 1754 bis 1770 den Bau des Platzes Louis XV. (heute Place de la Concorde). 1767 publizierte er sein Architekturtraktat »Traité des ordres d' architecture«. Die Tochter Marie Adrienne heiratete 1777 den Architekten Pierre Rousseau (1751-1810), den Erbauer des »Hôtel de Salm« in Paris (heute Musée de la Légion d' honneur).
Ritt stellte die Dame in einem dunkelroten, seidig-glänzenden Kleid dar. Über Schulter und Brust bauscht sich ein weißes, fast durchscheinendes Fichu aus einer Gaze, die am Rand mit Spitzen verziert ist. Das Haar der grauen Perücke ist mit einer blauen, mehrmals gebundenen Schleife geschmückt, die rund um den Kopf gelegt ist und einen hauchdünnen Schleier zusammenhält.
Besonders zieht den Betrachter das Gesicht an: Der gütige, ein wenig sorgenvolle Blick, das freundliche, aber von Kummer nicht freie Antlitz und die vom Alter gezeichnete Haut machen deutlich, daß hier ein ungeschöntes, individuelles Bildnis entstanden ist.

J.S.O.


1 Aus Ritts Inventar seiner Miniaturen geht hervor, daß der Künstler 1791 in Paris ein Porträt von einer Mme Potain »agée de 70 ans« anfertigte.