Sujets
Venus und Amor
Die Liebesgöttin Venus und ihr Sohn Amor sind in dieser Miniatur Du Canels einander liebevoll zugewandt. Während der Knabe sich voller Hingabe seiner Mutter nähert, stiehlt diese ihm einen Pfeil aus seinem Köcher (vgl. Kat.-Nr. 2008-16). Wen Amors Pfeil trifft, der entbrennt bekanntlich in Liebe, und vermutlich hat genau dieses die Liebesgöttin mit einem Irdischen vor. Möglicherweise ist sie selbst einem noch widerstehenden Jüngling verfallen und will nun versuchen, mit Hilfe des Pfeiles seine Gefühle für sie zu wecken.
Die Komposition verrät einen versierten Künstler: Trotz des Strebens nach einer harmonischen, pyramidalen Anordnung wirken die Figuren sehr natürlich und gelassen. Du Canel inspirierte sich bei dieser Darstellung an den Miniaturen Klingstedts, der in seiner Zeit mit dem Malen von erotisch-anzüglichen Sujets großen Erfolg hatte (vgl. Kat.-Nr. 2008-36), und ohne Kenntnis der Signatur wäre man versucht, das Werk dem nordischen Künstler zuzuordnen. Wie dieser malte auch Du Canel die Szene als Grisaille und kolorierte in zartem Rot nur einzelne Partien - hier die Inkarnate und die Bänder im Haar und an der Schulter der beiden Götter. Im Unterschied zu Klingstedts Werken entbehrt Du Canels Miniatur aber aller Anzüglichkeit.
Die Miniatur ist eine große Rarität, denn sie war lange Zeit die einzige, die man von dem heute fast vergessenen Künstler kannte. 1 Erst kürzlich tauchte ein weiteres seiner Werke auf: ein Bildnis Ludwigs XV. nach Van Loo, im Musée Condé in Chantilly. 2 Es entstand zehn Jahre später als die vorliegende Miniatur und ist nicht in der Grisailletechnik gemalt.
B.P.
1 Das Werk in der Sammlung Tansey ist bei Schidlof und Saur als Referenzwerk zitiert (Schidlof 1964, Bd. 1, S. 131; Saur 1997, Bd. 16, S. 124).
2 Siehe Garnier-Pelle, Lemoine-Bouchard, Pappe 2007, S. 28 und 65.
|
|
|
|

