Rechts



Lorenzo Theweneti: Bildnis eines Miniaturisten (angeblich der Bruder Thewnetis mit dessen Frau), um 1820 (13,4cm x 9,6cm, links unten signiert) Sammlung Tansey Ord. Nr. 010.726

 

Üblicherweise traf sich der Miniaturist mit sei­nen Modellen zu Sitzungen und malte „ad vi-vum". Um nicht in unbequemer Haltung und mit  gebeugtem  Rücken  arbeiten  zu  müssen, wählte der Miniaturist eine hohe Arbeitsfläche oder setzte sein Malpult — ein Kasten mit in der Schräge einstellbarem Deckel — auf einen Tisch.

Dieser wurde nahe an das Fenster gerückt, und der Maler setzte sich - um die Arbeit nicht mit der malenden Hand zu beschatten - so daran, dass das Licht von seiner linken Seite her auf die Arbeit fiel. Ein nach Norden gerichtetes Zimmer hatte den Vorteil, den Maler nicht durch direkte oder wandernde Sonnenstrahlen zu belästigen. Arbei­tete der Miniaturist in einer größeren Stadt, bestellte er die Kunden in sein eigenes Atelier. In der Provinz hingegen war der Miniaturist häufig gezwungen zu reisen und die spärlichere Kundschaft an immer neuen Orten zu suchen. Sein Mal­material musste deshalb transportabel sein, und es ist anzunehmen, dass er sich für die Portrait-Sitzungen im Haus des Modells einrichtete.



 



Französisch: Dame mit Mops, circa 1790 (Durchmesser: 7,8cm)
Sammlung Tansey Ord.-Nr. 011.030 





Mme Villers, geb Lemoine: Dame am Schreibtisch, (Durchmesser: 6,6 cm, signiert links: Villers /1783)
Sammlung Tansey Ord.-Nr. 010.770

 


Etwa in zwei bis drei Metern Distanz dem Maler gegenüber nahm das Modell Platz. Es sollte eine Haltung einnehmen, die seiner Person entsprach und sie zugleich vorteilhaft zur Geltung brach­te. Gestik und Accessoires dienten ihrerseits der weiteren Charakterisierung des Modells. Diese Vorgaben wie auch der davon abhängige Preis mussten im Voraus zwischen Maler und Auftrag­geber abgesprochen werden. Preisabhängig wa­ren ferner die Größe der Miniatur, der Detail­reichtum der Garderobe und die Darstellung der Hände. Der für den Maler optimale linksseitige Lichteinfall erklärt die Tatsache, dass in Minia­turen die Dargestellten stets von der gleichen Seite her beleuchtet sind, nämlich vom Betrach­ter aus gesehen von links. Sollte das Modell durch lebhaftes Licht-Schattenspiel charakteri­siert werden, ließ der Maler es vom Fenster weg nach rechts blicken; war hingegen eine mög­lichst schattenarme Modellierung vorteilhafter, drehte das Modell den Kopf zur Lichtquelle hin. Diese Beleuchtungssituation findet man in fast allen Miniaturen bestätigt. Die Ausnahmen wur­den möglicherweise von Linkshändern gemalt oder aber kopieren seitenverkehrte Druckvor­lagen (von den ausgestellten Miniaturen der Sammlung Tansey zeigen einzig zwei nach frem­der Vorlage gemalte Werke eine Beleuchtung von rechts: Kat.-Nr. 2000-1 und Kat.-Nr. 2000-140). Das Modell wurde immer in neutralem Innenraum portraitiert, auch wenn in der Miniatur später ein kostbares Interieur, eine Balkonaussicht oder eine stimmungsvolle Parklandschaft den Hinter­grund bilden sollte; diesen fügte der Maler dann aus seinem „Dekor-Repertoire" bei.

Bernd Pappe