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Das wasserlösliche Baumharz Gummi arabicum (oben links), vermischt mit Kandiszucker (oben rechts), gehört zu den meistverwendeten Bindemitteln der Miniaturisten. Die Farben konnten als Würfelchen (unten links) oder — ohne Bindemittel — in Pulverform (unten rechts) bezogen werden.

 

 

Die vom Miniaturisten verwendeten Farben ent­sprachen jenen der Aquarell- und Gouachema­lerei, mussten aber besonders fein gerieben wer­den. Als Bindemittel diente das wasserlösliche und sehr alterungsbeständige Baumharz Gummi arabicum. Es wurde mit Kandiszucker in einem Verhältnis von etwa 3 zu 1 vermischt, um das spröde Bindemittel elastischer zu machen.


Allerlei Zusätze sollten helfen, die Farbeigen­schaften zu verbessern: Die Malanleitungen des 17. bis 19. Jahrhunderts erwähnen Ohrenwachs, Speichel, Zitronensaft, Essig, Alkohol, Malz­extrakt, Honig, Borax und Seife als Farbzugaben. Die Pigmente wurden vom Miniaturisten selbst mit Bindemittel angerieben, konnten aber spä­testens ab dem 18. Jahrhundert auch in Wür­felchen, die das Bindemittel bereits enthielten, beim Farbenhändler erworben werden.

 




Beispiele verschiedener Schabklingen, sog. „Kratzer" aus der Miniaturmalanleitung von Charles William Day (The art of miniature painting, London, 7. Auflage 1865).






Andrew Robertson: Bildnis einer Dame, um 1835 (nicht signiert). Grauer Stift auf Papier. Die Zeichnung stammt vermutlich aus einem Skizzenheft des berühmten engli­schen Miniaturisten und diente ihm als Vorlage für die Miniatur. (Privatbesitz

 

Die Pinsel variierten in ihren Dicken je nach Verwendungszweck: Breitere dienten zum Malen von Hinter­grund und Kleidern, feinere für Details und die Ausarbeitung der Inkarnate. Entgegen der häu­figen Ansicht, dass die Pinsel der Miniaturisten „nur ein paar Haare" besitzen durften, sprechen die Miniaturmalanleitungen von zwar sehr spit­zen, aber vollen Pinseln; so konnte präzis gemalt werden, ohne dass ständig Farbe nachgeladen werden musste. Eine scharfe Klinge, der so ge­nannte Kratzer, diente für Korrekturen. Damit konnte falsch oder zu intensiv gesetzte Farbe entfernt oder aufgehellt werden, auch konnten einzelne Haare geritzt oder Konturen verschärft werden. Ein spitzes Holzstäbchen hatte eine ähnliche Funktion wie der Kratzer, nur entfernte es, ohne das Elfenbein auf zu rauen, eine breitere Farbspur. Die Paletten waren kleiner als in der Tafelmalerei und wurden aus Elfenbein oder Mattglas gefertigt. Eine Lupe half beim Malen schwieriger Details und diente der allgemeinen Kontrolle des Gemalten.

 

 

 

Bernd Pappe